Care(n)problem: Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion zu Fürsorge und Hochschule
am 4. Februar 2014 um 18 Uhr auf der AStA-Ebene der BUW

Spätestens mit Einführung des Elterngeldes und der Pflegezeitregelung wurden staatspolitische Versuche unternommen, zuvor unentgeltlich geleistete Reproduktion finanziell anzuerkennen. Die gegenwärtige Diskussion (z.B. care-macht-mehr.com) verweist darauf, dass es nicht ausreicht, menschliche Sorgeverhältnisse in Erwerbsarbeit oder Ersatzleistungen zu verwandeln.

Es geht um den gesellschaftlichen Konflikt zwischen kapitalistischen Strukturen und Tätigkeiten, die Voraussetzungen für das (Über-)Leben überhaupt ermöglichen, aber nicht unmittelbar in Gewinn zu übersetzen sind. Dieser Konflikt ist eng mit geschlechtsspezifischer Aufgaben- /Arbeitsteilung und der heteronormativen Kleinfamilie verknüpft. Alternativen zu diesen Strukturen sind Teil unterschiedlich geführter Diskussionen aus feministischen Perspektiven.

Dabei sind es vor allem feministische Forderungen nach weiblicher, hochqualifizierter Erwerbsarbeit, die sich im Neoliberalismus gegen sich selbst wenden. Die Flexibilisierung aller Lebensbereiche unter Markt-Prämissen, reduziert die Frage danach, wer welche Fürsorgetätigkeiten übernimmt, darauf, wer sich von wem diese „Dienstleistungen“ kaufen kann. Dabei werden insbesondere Mütter adressiert, zugleich beruflich erfolgreich zu sein und im Zuge der Leistungsrhetorik im Bildungswesen, ihre Kinder in Humankapital zu verwandeln.

Vereinbarkeitsfragen werden staatspolitisch und/oder privatwirtschaftlich privatisiert und individualisiert. Ebenso wird in Stellenausschreibungen zwar die Bewerbung  von Personen mit Schwerbehinderung „ausdrücklich erwünscht“, dennoch stellt sich die Frage, ob die Rhythmen des Hochschulbetriebs sich tatsächlich auf die Anforderungen einer „Sorge um sich“ einlassen.

Die Universität ist dabei ein Kristallisationspunkt dieser gesellschaftlichen Transformation. Die ehemaligen Studentinnen der zweiten Frauenbewegung sind mittlerweile unter den (bald) emeritierten Professorinnen, für viele, die ihnen nachfolgten, stellte sich die Frage Kind oder Karriere erneut.

Pflegezeiten, öffentliche Kinderbetreuung und Elterngeld suggerieren, alle Lebensbereiche seien gleichzeitig „erfolgreich“ zu meistern. Was bedeuten die damit gestiegenen Anforderungen für junge Absolvent_innen? Wie kann eine Hochschulkultur entwickelt werden, in der der Charakter von Abendveranstaltungen nicht verloren geht, Eltern, Menschen mit mehr Bedarf an Selbst-Sorge-Zeit und Pflegende aber nicht ausgeschlossen werden? Wie geht die Hochschule angesichts der gegenwärtigen Care-Diskussion damit um, dass insbesondere im Sekretariatsbereich auf „Zuverdienerinnen“-Gehälter gesetzt wird?

Über diese Fragen und mögliche Antworten sprechen wir am 4. Februar 2014 ab 18 Uhr auf der AStA-Ebene der Bergischen Universität Wuppertal. Alle Hochschulangehörigen sind herzlich eingeladen mitzudiskutieren!

Input:

  • Anna Hartmann (Rosa-Luxemburg-Stipendiatin)

Podium:

  • Gabriele Hillebrand-Knopff (Koordination Familienbüro BUW)
  • Dr. Birgit Rothenberg (Dortmunder Zentrum Behinderung und Studium)
  • Prof.  Dr. Friederike Kuster (Philosophisches Seminar/Zentrum für Weiterbildung BUW)

Moderation:

  • Jeannette Windheuser (gender r[ae]nder/ Erziehungswissenschaft BUW)

Danke an den Asta für die freundliche Unterstützung!

veranstaltet von genderraender.wordpress.com

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